Der Zettelregen und der Trunkenbold

 

Zu Beginn des Jahres 2009 lebte ich ein gutes halbes Jahr in dieser Kleinstadt und trieb ziellos durch mein Leben. Zurückgezogen mit meinen Katzen verließ ich das Haus nur für die Arbeit oder Reisen.

Das Jahr war noch jung und ich wollte meine Wohnung verlassen, als ein Regen von Zetteln und einer Ansichtskarte auf mich herunterfiel.

In einer katastrophalen Handschrift stand geschrieben, dass ich jemanden anrufen sollte, dessen Namen ich neben der Telefonnummer nicht entziffern konnte.

Da mir ohnehin meist langweilig war, rief ich tatsächlich an und es meldete sich der Mann, dessen Avancen ich zu Silvester 2008 abgewehrt hatte, da ich damals noch glaubte, es könnte sich derjenige, mit dem ich ins neue Jahr rutschte, in mich verlieben.

Wir unterhielten uns erstaunlich gut und beschlossen, uns zum Rodeln zu treffen. In diesem Jahr fiel so viel Schnee, dass die Piste, auf der wir hinunterschießen wollten, stark verschneit war und wir so oft von der Rodel fielen, bis wir eine Hütte erreichten, in der wir uns aufwärmten und der Gute sein erstes Bier trank.

Bei näherer Ansicht war ich mir nicht mehr sicher, ob ich diesen Mann in meine Auswahl nehmen sollte, doch ohne Alternative dachte ich, wir könnten ja sehen, wie es weitergehe.

Eine weitere Verabredung stand an und wir gingen in die einzige Bar der Stadt. Für mich als Person, die in einer relativ angesehenen Position arbeitet, war es schwierig, dort mit einem Mann aufzutauchen und gar mit einem anderen als 2008. Ihn störte es weniger, denn er trank und trank und trank.

Obwohl es mir unangenehm war, fragte ich ihn dennoch, ob er zu mir hinaufkommen wollte. Ich war nicht sicher, was passieren würde, da ich nie eine anziehende Wirkung auf Männer ausgeübt hatte. Für ihn war es eine klare Sache und als er mich umarmte, wusste ich genau, was er wollte.

Nun hatte meine Couch etwas zu erzählen – genauso wie meine Katze, die uns mit großen Augen zusah. Er verbrachte die Nacht bei mir und brachte am Morgen danach noch einmal die gewünschte Leistung.

Nach den Jahren als Single war ich mir nicht sicher, was ich von der ganzen Sache halten sollte.

War das jetzt ein One-Night-Stand oder hatte es etwas zu bedeuten, da wir am Tag danach noch einen Spaziergang machten?

Kurze Zeit danach lud er mich zu einem Treffen seiner christdemokratisch geprägten Studentenverbindung ein, die praktischerweise ihren Sitz nahe meiner Wohnung hatte. Als ich dort die Toilette aufsuchen wollte, zeigte er mir den Weg zum Pissoir – so richtig als Frau nahm er mich doch nicht wahr.

Im Gegensatz dazu nahm uns der katholische Taliban als Paar wahr und hielt mir sofort nach seinem Erscheinen eine Zeitschrift unter die Nase, die Abtreibung verteufelte.

Der Trunkenbold übernachtete bei mir und als ich wenig später die Einweihungsfeier für meine Wohnung veranstaltete, kam er mit einem Freund vorbei, doch betrunken wie zumeist und beleidigte alle meine anwesenden Freundinnen.

Verliebt war ich nicht, doch eine gewisse emotionale Bindung hatte sich entwickelt, die sich relativ schnell auflöste, als ich hörte, er wäre mit einer anderen Frau ausgegangen.

Ein halbes Jahr später verbrachten wir noch einmal die Nacht miteinander, um mich darin zu bestärken, dass dieser Mann nicht für eine Beziehung zu gebrauchen ist.

Sein Freund wollte bei einer Freundin von mir landen, doch er war so ungeschickt, dass er erfolglos blieb.

Was mir geblieben ist, ist ein Feuerlöscher, den er mir als Feuerwehrmann vergünstigt organisiert hat und dafür bin ich N. dankbar.

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