2012 genoss ich mein Leben als Single endlich, ohne mir Gedanken um eine Beziehung zu machen.
Und dann bremste im Mai ein Auto vor mir, als ich im Hinterhof meines Wohnhauses bei den Mülltonnen stand. Ein Mann, den ich vom Sehen kannte, stieg aus und fragte mich, ob wir nicht einmal einen Kaffee trinken gehen wollten.
Überrumpelt sagte ich zu, meinte jedoch, dass er sich gedulden müsse, da ich in den nächsten zwei Wochen beruflich verplant sei.
Eine gute Woche später sah ich, wie er den Supermarkt nach mir betrat und versuchte, mich lang genug in einer Nische aufzuhalten, um ihm zu entkommen, doch er holte mich ein und wir unterhielten uns besser als gedacht.
Daraufhin willigte ich erneut auf seine Einladung ein und wir verabredeten, dass er mich am Samstagabend abholen sollte.
Er kam zu mir und wir gingen vorerst nirgendwohin – nach angeregter Unterhaltung küssten wir uns und ich nahm ihn zu einem Fest mit.
Die Nacht verbrachte er bei mir und die nächsten eineinhalb Jahre genauso.
Nun hätten wir glücklich unser weiteres Leben miteinander verbringen können, wenn die böse Großmutter nicht gewesen wäre.
Es war mündlich vereinbart worden, dass er ihr Haus erbte und zuerst das Obergeschoß renovierte. Er hielt seinen Teil der Abmachung ein und Schritt für Schritt wurde diese Wohneinheit unser Rückzugsort.
Oma kannte keine Privatsphäre und betrat die Wohnung nach ihrem Gutdünken, doch die Situation war bis nach dem ersten Weihnachtsfest erträglich.
Dann zeigte Oma ihr wahres Gesicht und die Anzeigeversuche bei der Polizei häuften sich. Im ganzen Ort verbreitete sie Lügen über meine Verbrechen, verlor dutzende Schlüssel, lotste einen Polizisten durch das Fenster ins Gartenhaus, weil wir sie angeblich eingesperrt hätten, obwohl der Schlüssel auf ihrer Seite steckte.
Nachdem sie mich wieder unflätig beschimpft hatte, verließ ich fluchtartig das Haus, packte wenig später meine Sachen und wir zogen in die Wohnung neben meiner ursprünglichen. Der Polizeischutz während meines Auszuges wird mir ewig in Erinnerung bleiben.
Wir liebten einander, doch die vielen Unterschiede unserer Lebensführung konnte das nicht überwinden. Ein halbes Jahr nach der Flucht vor Oma verließ er mich und ich zog wieder in meine alte Wohnung.
Oma starb zwei Jahre später und fast niemand kam zu ihrer Beerdigung. Sie wurde eingeäschert, doch wenige Monate sah ich eine Notiz von einer Frau mit fast dem gleichen Namen – kurz dachte ich, die Hexe wäre nicht verbrannt.
Heute ist der Mann mit einer hinreißenden Frau verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder. Wir sind bessere Freunde als wir je als Paar waren.