Obwohl ich selbst nicht weiß, wer gut für mich ist, wissen es andere noch weniger.
Ende 2017 hatte meine Schwester beschlossen, dass ich wieder einen Partner brauchte und stellte mir ihren Schweizer Arbeitskollegen vor.
Er war ungefähr vier Jahre älter als ich und ein Mensch, der keine Jeans trägt.
Optisch gefiel er mir nicht, doch darauf kommt es nicht immer an, daher trafen wir uns und ich versuchte, mit ihm ein Gespräch aufzubauen. Er war eher ein lebloser Charakter, doch so schnell gab ich nicht auf und nachdem er endlich einen Rollkragenpullover statt eines Hemdes trug, war er ein erfreulicherer Anblick.
Zu Silvester trafen wir uns, er kochte für mich und ich durfte seine spartanisch ausgestattete Wohnung betreten. Ein paar Küchenkästen, eine Couch, zwei Tische und zwei Sessel nannte er sein eigen, der Rest befand sich am Boden.
Für ihn war es wichtig, innerhalb kürzester Zeit seine Sachen zu packen und umziehen zu können. Außerdem wollte er sich damals mit vierzig Jahren zur Ruhe setzen und lebte daher sehr sparsam.
Das war nicht mein Lebensmodell, doch es hielt mich nicht davon ab, ihm näher zu kommen, denn ich hatte mich langsam an ihn gewöhnt. Leider konnte er keine tieferen Gefühle für mich entwickeln, da er noch immer an seiner Ex-Freundin hing.
Tatsächlich hörte er mit vierzig Jahren auf zu arbeiten und zog später nach Ungarn, weil ihm das Leben in Österreich zu teuer war.
Das letzte, was ich von ihm hörte, war, dass er mittlerweile in ein Kloster eingetreten ist, was seinem anspruchslosen Wesen entgegenkommt.