In cervisia veritas?

Ich bin angreifbar, wenn es zu Schwierigkeiten in Privat- und Berufsleben kommt, denn dann öffnet sich eine Tür, die für gewöhnlich verschlossen bleibt.

2017 öffnete sie sich beim hässlichen Mann, der mir per Nachricht näher kam und sechseinhalb Jahre später riss sie ein Streit in meiner Familie wieder auf.

Meine Lage schien aussichtslos und ich verkroch mich in der Wohnung.

Es regnete in Strömen und der hässliche Mann schrieb leicht angetrunken, er ginge an meinem Haus vorbei zu sich nach Hause. Er hatte das Gefühl, er würde den Weg nicht überstehen und würde gern auf meiner Couch übernachten.

Das wollte ich nicht und ließ ihn nur ins Treppenhaus, um ihn mit dem Auto zu sich zu fahren, doch dort wollte er nicht aussteigen. Also nahm ich ihn mit in meine Wohnung und kochte Kaffee, um ihm Energie für den Heimweg zu verschaffen.

Den Kaffee trank er nicht, sondern begann, meinen verspannten Rücken zu massieren und breitete die Massage über den ganzen Körper aus.

Die Berührung fühlte sich gut an, doch plötzlich hatte ich das Gefühl, neben mir zu stehen. In mir war etwas zum Vorschein gekommen, von dem ich gedacht hatte, es wäre gut begraben.

Mein Bedürfnis nach körperlicher Zuwendung war jedoch größer und so hatte ich die wohl leidenschaftlichste Begegnung meines Lebens, nach deren Ende ich ihn aus der Wohnung werfen wollte, doch er bat mich, es nicht zu tun. Darum blieb er bis zum Morgen und schrieb mir tagelang.

Fünf Tage und gefühlt fünfhundert Nachrichten später wiederholte sich die Nacht in verkürzter Form, doch als ich aufwachte, war der Mann verschwunden. Das war zu erwarten gewesen und doch fühlte ich mich ein wenig verlassen.

Ich bereue die Begegnungen nicht, denn sie haben mich einiges über mich selbst gelehrt.

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